Suche
  • ZSO Bachtel

Einsatzbericht Covid-19 Nr. 15


Tagebuch 17.04.2020

Ein Tag im Leben von Feldweibel (FW) Ivo Buchmann

Ich bin jetzt in der dritten Woche für den Zivilschutz im Einsatz. Als Feldweibel bin ich meist der Erste, der kommt und gehöre oft zu den Letzten, die gehen – nur das Kommando bleibt meist länger. Als „Feldi“ bin ich für den Dienstbetrieb und die Logistik verantwortlich. Das beinhaltet bei uns hauptsächlich die Fahrer und Fahrzeuge, Material sowie den Unterhalt und die Reinigung der Anlage.

Da wir die Kommandostruktur so aufgebaut haben, dass wir jeweils zwei Führungsebenen haben, wechseln sich diese jeweils im Wochenrhythmus ab. Will heissen, jede Woche wechselt das Kommando, sowie ein Grossteil der Mannschaft. So stellen wir sicher, dass wir auch bei Ausfällen den Betrieb aufrechterhalten können. Auch ich wechsle mich im zwei Wochen Rhythmus mit meinem Kollegen Stefan ab.

06.30 Uhr. Es ist noch kalt und dunkel als ich in der Halle Schwarz ankomme. Die Lichter sind noch nicht an und ich öffne zusammen mit dem Zugführer der Pioniere, welche für uns die Eingangskontorolle machen, die Halle für den Betrieb. Nicht oft genug wurde uns eingebläut die Alarmanlage aus zu schalten, da sonst die Polizei direkt auf einen Besuch vorbeikommt.

07.00 Uhr. Meine Truppe für den Dienstbetrieb ist anwesend und beginnt sofort mit einer vielleicht etwas uncoolen, aber in dieser Zeit äusserst wichtigen Aufgabe, die Reinigung und vor allem Desinfektion des Kommandopostens sowie des Speisesaals. Diese Reinigung ist auf einem Plan festgehalten, welcher durch einen Experten (einer unserer AdZS) in Hygienereinigung für uns erstellt wurde. So stellen wir sicher, dass wir keine Infektionsherde haben und alle unserer gut 35 im Kommandoposten stationierten Kollegen jeden Abend gesund nach Hause gehen können.

08.00 Uhr. Da auch wir versuchen mit einer schlanken Organisation zu agieren, habe ich noch die Aufgabe des Fahrerchefs übernommen. Zudem bin ich für die Ausgabe, Rücknahme und Verwaltung unserer Funkgeräte zuständig. Die Verantwortung ist gross, einerseits weil unser Material sehr teuer ist (1 Funk kostet eine ordentliche «Stange» Geld) aber auch weil wir dieselben Geräte benutzen, wie die Blaulichtorganisationen und so jemand Unbefugtes den Funk von Polizei und Rettung mithören oder im schlimmsten Fall stören könnten. Ein Verlust eines der Geräte wäre also fatal. Weiter muss ich sicherstellen, dass all unsere Fahrer die korrekten Fahraufträge erhalten und verstanden haben. Dazu setze ich mir den Hut eines Spediteurs auf und koordiniere Fahrer, Fahrzeuge und Fahrten, dass all die Patienten-, Personen- und Materialtransporte zur rechten Zeit am rechten Ort sind.

08.30 Uhr. Ich mache einen Rundgang in der Anlage und prüfe ob mein Reinigungstrupp ihre Arbeiten korrekt ausgeführt und auch alle Reinigungsprotokolle ausgefüllt hat. Sollte dies nicht der Fall sein, weise ich Sie darauf hin und erteile Ihnen den Auftrag, das noch nachzuarbeiten.

09.00 Uhr. Die Fahrten sind an die Fahrer ausgegeben und ich prüfe, ob auch alle Meldungen den KP (Kommando Posten) erreicht haben und diese im Journal eingetragen sind. Es ist sehr wichtig, dass unser Team in der Führungsunterstützung zu jeder Zeit alle Informationen abrufbereit hat. Dies aus dem einfachen Grund, da alle Anfragen über den KP gehen. Das heisst Anfragen von unseren „Kunden“, also den Organisationen des Gesundheitswesens unserer Verbandsgemeinden, welche wir zurzeit unterstützen. Wir müssen sofort wissen, wer, wann, mit wem, wohin gefahren ist, um bei Terminverschiebungen oder Vorfällen sofort Auskunft geben zu können wo unsere Leute oder eben auch die Patienten sind.

11.00 Uhr. Ich fange an mich auf den Mittagsrapport vor zu bereiten. Was habe ich für wichtige Meldungen, Anfragen, welche ich klären möchte oder gegebenenfalls Anträge, die mir das Kommando genehmigen oder ablehnen muss. Anträge können von Materialbeschaffungen bis zu Urlaubsanträgen der Mannschaft alles sein. Der Schaden ist zwar gemeldet, aber ich werde im Rapport darauf hinweisen, was passiert ist und was für Massnahmen wir unternommen haben.

12.00 Uhr, Rapport. Gespannt höre ich meinen Kollegen zu, was bei den einzelnen Arbeitsplätzen gelaufen ist und was noch an Arbeiten ansteht. Sobald ich an der Reihe bin sehe ich zu, dass ich kurz und knapp meine Infos und Anträge durchgebe – der Rapport soll ja kein Plausch sein, sondern ein Informationsaustausch und die Möglichkeit fürs Kommando Aufträge zu erteilen und Anträge zu genehmigen.

13.00 Uhr. Der Rapport ist beendet und wir gehen essen. Unsere Küchenmannschaft verwöhnt uns heute mit Grillgemüse, panierten Hähnchenschenkel und Tabulé. Einfach, lecker und immer genug. Befremdlich ist lediglich, dass unsere Tische weit auseinander stehen, wie zu einer Abschlussprüfung. Dem Flair entsprechend setzen sich auch alle so hin, dass Sie an die imaginäre Wandtafel sehen können. Mir ist das zu einsam, ich stelle den Stuhl auf die andere Seite des Tisches, so kann ich meine Kollegen beim Essen wenigstens anschauen; geredet wird nicht – es herrscht gefrässiges Schweigen. Kein Wunder, die meisten sind schon seit den frühen Morgenstunden auf und haben jetzt Kohldampf.

14.00 Uhr. Nach der Mittagspause schaue ich noch bei meinem Hygieneteam vorbei. Es ist wichtig, die Arbeiten zu begleiten und ab und an die Soldaten etwas zu ermuntern. Oft wird vergessen, dass die Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten nicht zur Beseitigung von sichtbarem Schmutz da sind, sondern zu unserem Schutz vor Ansteckung, falls doch jemand in Berührung mit dem Sars-Cov 2 gekommen ist und diese Viren auf einer Oberfläche hinterlassen hat. Ich vergewissere mich, dass sie genügend Material haben und auch die Protokolle ordnungsgemäss ausgefüllt sind.

15.00 Uhr. Nebst Anlagen und Fahrzeugen bin ich auch der Schirmherr über unser gesamtes Material. Da wir zurzeit nicht im Wald oder auf einer Alp am Schaffen sind, brauchen wir auch keine Schaufeln, Pickel oder Motorgeräte. Nein, was viel wichtiger ist: frische Kleidung. Zivilschutzangehörige werden nur für Einsätze von ca. 3-5 Tagen am Stück ausgerüstet. So lange dauert ein normaler WK und dann reichen auch die T-Shirts und Überkleider. Im jetzigen Einsatz steht die Hygiene an vorderster Stelle und das Kommando hat entschieden, dass ALLE AdZS, welche in einem Heim aushelfen, jeden Tag die Kleidung wechseln müssen. Zu Hause waschen geht oft nicht, also machen wir das für die Soldaten. Einer aus dem Hygiteam übernimmt die Wäscherei und stellt sicher, dass die Soldaten, welche aus dem Einsatz zurückkommen frisch eingekleidet werden. Eine wichtige Aufgabe. Bis vor kurzem haben wir die Kleidung in alten Schulthess Maschinen (Typ «Super 6») gewaschen. Diese hatten noch eine Steuerung mit Lochkarten und stammen vermutlich noch aus der Nachkriegszeit. Seit einem Monat stehen neue Profigeräte in der Anlage – DANKE unseren Gemeinden für die tollen Arbeitsgeräte - da sind wir sehr froh drum.

16.00 Uhr. Ich habe vom KP die neusten Fahrten für den nächsten Tag erhalten. Ich plane, wer welche Fahrten am nächsten Tag übernehmen soll und kann. Zudem schaue ich, ob alle Fahrzeuge in gutem Zustand sind.

17.00 Uhr, Rapport mit dem Kader und der Einsatzleitung.

18.00 Uhr. Ich erledige noch kleine Aufträge aus dem Rapport, sodass ich am nächsten Tag direkt bereit bin. Prüfe ob alle Funkgeräte wieder zurückgekommen sind und auf der Ladestation stehen. Wie eingangs erwähnt; ein Verlust wäre fatal. Danach mache ich die Kontrollrunde bei den Fahrzeugen, schaue ob alle da sind und keine sichtbaren Schäden aufweisen.

Die Soldaten sind fertig mit Kleidertauschen und ich schliesse das Lager wieder ab, nicht dass sich da jemand selber bedient. Eine Schlussrunde in der Anlage – LiLö (Lichterlöschen).

Müde, aber stolz mit dieser wichtigen Aufgabe etwas für unsere Gesellschaft getan haben zu können, gehe ich nach Hause und freue mich auf meinen Feierabend.


0 Ansichten

© 2020 by ZSO Bachtel   IMPRESSUM   DATENSCHUTZ