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Einsatzbericht Covid-19 Nr. 17

Oblt. Reto Akeret

Einsatzbericht bis KW16

Meine Pioniere und ich sind praktisch seit dem ersten Tag der Covid-19 Pandemie im Einsatz. Ich bin Zugführer des Unterstüzungszugs 1 der Kompanie 1 bei der ZSO Bachtel. Auch bei mir ist es nun schon die dritte Woche im Einsatz für die Bevölkerung unserer Gemeinden. Eine der ersten Aufgaben bestand darin, den KP (Kommando Posten) für unsere Kollegen zu erstellen. Ich konnte mir die Turnhalle Schwarz ansehen und habe danach zusammen mit der Einsatzleitung den genauen Standort in der Dreifachturnhalle definiert. Kurz darauf ist dann auch schon meine Mannschaft eingetroffen und es wurde wirklich ernst. Wir haben jedes Jahr für genau solch ein Ereignis trainiert und wissen wer wo seine Stärken und Schwächen hat, wodurch wir ein gut funktionierendes und eingespieltes Team sind. Man merkt, alle sind von der ersten Sekunde an voll da und setzten ihr ganzes Knowhow gebündelt für die Aufgabe ein.

Zuerst mussten wir entscheiden, wie wir aus einer Turnhalle einen KP bauen können. «Wir brauchen eine Raumaufteilung!» stand nach ein paar Sekunden fest. Also war die nächste Frage, wie bauen wir diese? Wir haben uns zusammen auf eine Konstruktion aus Absperrgitter und Schaltafeln geeinigt. Da wir selbst nur eine Handvoll solcher Gitter haben, half uns der Werkhof Rüti mit seinem Material aus. Nach einem kurzen Telefonat konnten wir diese auch schon im Schützenhaus Rüti abholen und zu uns in die Turnhalle Schwarz bringen. Im Anschluss haben wir aus den Gittern und Schaltafeln eine Konstruktion erstellt und konnten die einzelnen Elemente zu einer Wand zusammenbauen, welche zum Schluss mit einem Bauplastik überzogen wurde. So haben wir nach und nach unseren KP geformt.

Auch die mobilen «Flipchart Tafeln» bestehen aus der gleichen Bausubstanz. Danach standen diverse Hilfsarbeiten bei den verschiedenen anderen «Abteilungen» an. Helfen Kabel zu verlegen für die Telematik, Material aus der Anlage tragen und ins KP bringen für die Führungsunterstüzung Lebensmittel einlagern für die Küche und so weiter. Anschliessend haben wir unseren Aufenthalts und Essbereich eingerichtet. Natürlich alles unter Berücksichtigung der Sicherheitsvorschriften und Schutzmassnahmen des Bundes. Für mich gab es nebenbei auch schon einige Planungsaufträge für das Personal sowie eine Planung für das Einrückungskonzept zu erstellen.

So wie sich die Situation laufend geändert hat, haben auch wir uns ständig verändert und weiterentwickelt. Wie können wir beim Einrücken die Sicherheitsabstände der AdZS (Angehörige des Zivilschutzes) einhalten? Wie können wir die Hygienevorschriften einhalten? Dies waren Fragen, die mich immer wieder auf das neue beschäftigt haben und auch immer wieder analysiert werden mussten. Dazu habe ich ein Einrückungskonzept entwickelt, welches so im Grunde bis jetzt zum Einsatz kommt. Dabei geht es darum, dass alle, die Einrücken, von Beginn an die Sicherheits- und Hygienevorschriften einhalten können. Das heisst, dass der Ein- und Ausgang richtungsgetrennt sind. Auf dem Boden hat es alle 2m eine Linie, um die Abstände einhalten zu können.

Es gibt einen «Masken-Vorposten» bei dem jeder der auf das Gelände möchte, zuerst den Gesundheitsfragebogen beantworten muss und im Anschluss eine Maske bekommt. Danach folgt der Triageposten, wo jeder ein farbiges «Bändeli» bekommt, welches in den Farben weiss (Staff), grün (AdZS mit gutem Gesundheitszustand), gelb (fühlen sich krank), rot (hatten Kontakt mit einem Infizierten) oder blau (mechanische Leiden).

Im Anschluss ans «Bändeli» wird jeder namentlich erfasst und kann danach seinen Dienst antreten. Das gleiche Prozedere wird bei jedem angewendet, der auf das Gelände möchten - egal wer es ist. Auch gibt es zusätzlich an jedem Eingang eine Eingangskontrolle, wo auch wieder jeder namentlich erfasst wird, um auch da sicherzustellen, dass nur berechtigte Personen Zugang haben. Dies mag vielleicht im ersten Moment komisch erscheinen, ist aber immens wichtig. Es hat im ganzen KP vertrauliche Dokumente und Informationen, die vertraulich behandelt werden müssen. Somit ist bei den beiden Kontrollen und der Triage während des ganzen Dienstes höchste Konzentration gefragt damit zu jedem Zeitpunkt klar ist, wer sich wo aufhält und wie gesagt sich nur diese Leute da aufhalten, wo sie auch dazu berechtigt sind.

In der zweiten Woche haben wir dann einen zusätzlichen Arbeitsbereich für den RFS (Regionaler Führungsstab) erstellt. Dies auch wieder nachdem in der ersten Woche entwickelten «Schnellbausystem». Dieser Bereich wurde aber kurz darauf verschoben, um den Teil RFS aus der Struktur heraus zu lösen und diesen autonom vom Rest betreiben zu können. Dabei hat uns die Stiftung Kustturnhalle Schwarz sehr offen und kooperativ unterstützt. Schon 10 Minuten nach dem Telefonat mit Frau Müller von der Stiftung hatten wir bereits die Schlüssel in der Hand und konnten den Judoraum beziehen. Diesen haben wir dann mit Tischen, Internet und Telefonanlage ausgestattet. Nach gut einem halben Tag konnte Daniel Schmid (Stabschef) und seine Mannschaft diese Räumlichkeiten bereits in Empfang nehmen. Seit diesem Tag agieren sie von da aus und haben nur telefonisch oder per Mail Kontakt zu uns, um auch da eine mögliche Infektion ausschliessen zu können.

Der Teil, der zuerst für den RFS vorgesehen war, wurde natürlich nicht einfach abgebrochen, sondern wurde zu einem Arbeitsplatz für die EL (Einsatzleitung) ausgebaut. In diesem haben alle Schlüsselpersonen ein eigenes abgetrenntes Büro erhalten, wo auch die Schreibarbeiten in Ruhe und mit den nötigen Sicherheits- und Hygienevorschriften erledigt werden können.

Zusätzlich wurde auch das Büro der Fahrerzentrale neu platziert, damit auch beim Verteilen der Fahraufträge wieder die Vorschriften eingehalten werden können und somit die Fahrer nicht quer durch den KP laufen müssen. Auch da wieder mit dem Gedanken, das Risiko für alle zu minimieren. Dabei wurde auch unser erstes eigenes Walk-In Fenster eröffnet, bei welchem die Fahrer die Aufträge direkt annehmen können.

Auch ist ein Teil der Pioniere im «Fronteinsatz» tätig und unterstützt die Gesundheitspartner der Gemeinden mit ihrer Manpower. Diese werden aber von den zuständigen Zugführer Betreuung gemanagt damit ich mich mit der restlichen Mannschaft ganz auf das Sicherheitskonzept konzentrieren kann.

Auch wurden schon Vorbereitungen für einen möglichen Exit aus der ausserordentlichen Lage vorbereitet. Das heisst wir haben zum Beispiel Platz in unserem Holzlager geschaffen, um all die verbauten Schalltafeln sauber einlagern zu können. Auch stehen immer wieder kleinere Hilfsarbeiten bei anderen Fachbereichen an. Sei dies nun mit einem Fahrauftrag oder beim Aushelfen auf einem Arbeitsposten.

Für uns ist die Situation, trotzt den vielen WK’s die wir hatten, speziell und herausfordernd. Doch man merkt, dass auch jetzt in Woche fünf immer noch alle voll da sind, um Ihr Bestes zu geben. Man merkt, wie wir uns alle gegenseitig helfen, über uns hinauswachsen und uns von Tag zu Tag verbessern. Dies macht mich auch als Zugführer stolz, dass die ganze Mannschaft mit so viel Herzblut dabei ist und täglich ihr bestes gibt. Auch an dieser Stelle von mir ein grosses Dankeschön an alle Beteiligten. So macht es spass zu Arbeiten und so kommen wir zusammen weiter und überstehen auch diese Krise zusammen. Es steigert den Zusammenhalt enorm.

Nun ist es schon wieder Wochenende und es stehen noch diverse Vorbereitungs- und Aufräumarbeiten an, um alles für die nächste Woche im Einsatz mit der Einsatzgruppe Wanner vorzubereiten und Ihnen alles Wichtige mitzugeben damit auch sie wieder mit viel Energie und Elan in die neue Woche starten können. Man merkt, es war wieder eine intensive Woche. Man könnte schon fast sagen «das Fleisch ist müde aber der Geist ist immer noch voll da». Ich glaube, alle freuen sich, dass es zur Erholung wieder ein paar ruhigere Tage gibt und vielleicht bei den einen oder anderen etwas längere Nächte als in den Einsatzwochen. Alle geben immer ihr bestmögliches, um für die Bevölkerung da zu sein und zu helfen, wo es nur geht. Auch ich ziehe nun langsam mein Resümee aus der Woche und bereite mich mental auf den nächsten Einsatz vor. Wie lange es noch dauern wird, ist offen. Was ich weiss, ich kann mich auf meine Mannschaft verlassen und sie werden auch beim nächsten Einrücken wieder alles geben. Danke an die Mannschaft, Ihr seid wirklich alles «geili Sieche!!»

Oberleutnant Reto Akeret

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