Einsatzbericht Covid-19 Nr. 18

Tagebuch 20.04.2020

Lt. Daniel Willi / Unterstützung

Ich bin nun in der 4. Woche im Einsatz «Kata Nohi 2020 Covid-19» der ZSO Bachtel. Dies ist mein erster «ernst-Einsatz» im Zivilschutz. Die Prozesse und Strukturen haben sich mittlerweile gefestigt. Ich wechsle mich jeweils mit meinem Zugführer (Zfhr) Kollegen Oblt Akeret wochenweise ab. Gestern (Sonntag) haben wir telefonisch die Übergabe gemacht.

Um 0530 traf ich mich mit der Einsatzleitung (EL) in der BSA Schwarz zum Kaffee und zum Austausch über die kommenden Woche. Hauptthema war die Zukunft und Entwicklung unseres Zivilschutzes im Zusammenhang mit dem Einsatz Covid-19: Wie geht es weiter? Wie lange stehen wir noch im Einsatz, wie viele Angehörige des Zivilschutzes (AdZS) brauchen wir noch?

Um 0630 begab ich mich in die Turnhalle Schwarz, welche oberhalb von unserer BSA liegt.

Ich öffnete die Türen und schaltete die Brandmeldeanlage (BMA) auf «anwesend» um. Danach traf mein Unteroffizier (Uof) Kpl Krauer ein. Ich besprach mit ihm das Vorgehen betreffend Aufbau für das Einrücken der Mannschaft sowie die Triage (aktuell sehr wichtig im Zusammenhang mit Covid-19).

Anschliessend holte ich mir alle wichtigen Unterlagen, wie z.B. die Personalliste, damit ich weiss wer Oblt Akeret für diese Woche aufgeboten hat und die gesamte Personalliste der aufgebotenen AdZS für diesen Tag, bei der Führungsunterstürtung (FU) für die Eingangskotrolle. Die gesammelten Infos teile ich mit meinen Uof, damit er auf dem gleichen Stand ist. Viel musste nicht erklärt werden, denn Andreas Krauer war vor zwei Wochen mit mir schon im Einsatz und kennt die Abläufe bereits. Ich half mit beim Aufbau des AV Konzeptes und überwachte das Einrücken sowie die Triage der Mannschaft.

Bild: Eingangskontrolle

Um 0730 setzte ich mich mit meinem Kp Kdt Hptm Gege zusammen und wir besprachen und entwarfen Varianten zur Reduktion unserer ZSO für den Einsatz zum Covid-19, welche wir am beim Kaffee bereits erstmalig besprochen hatten. Wir bringen unsere zwei Varianten zu Papier und waren vorerst damit fertig.

Es war nun 0810 und ich begab mich in «mein» Büro im Kommandoposten (KP) welcher sich in der Turnhalle Schwarz befindet. Dort las ich mich in den Dokumenten und allfällige Neuerungen ein, welche mir Reto Akeret letzte Woche bereitgestellt hatte.

Bild: Mein Büro

Der Zfhr der Betreuer Lt. Bouhouch teilte mir mit, dass ein AdZS aufgrund eines Missverständnisses nicht einrückte. Er brauchte nun einen AdZS welcher einspringt. Ich schaute auf meine Personalliste der Pioniere (Pi) welche ich auf Platz hatte und überlegte kurz. 3 AdZS sollten für die Eingangskotrolle inkl. Reserve reichen. Ich teilte Bouhouch mit, dass er über einen «meiner Soldaten» Verfügen kann und bat ihn, das direkt mit Uof Krauer abzusprechen. Die personelle Änderung passte ich in meinen Unterlagen an.

Mittlerweile ist es 0820 und mein Uof Krauer teilte mir mit das ein LKW mit einer Lieferung vor der Halle steht. Da mir keine Lieferung bekannt war, frage ich Hptm Neel Bechtiger (KP KDT) ob er etwas davon wisse. Da dies nicht der Fall war, gingen wir zusammen nach draussen, um uns darum zu kümmern. Als wir den LKW gefunden hatten, er hat sich zum Parkplatz der Kunstturnhalle verschoben, erfuhren wir das die Lieferung nicht für uns (ZSO Bachtel), sondern für den Verein der Kunstturnhalle ist (deren Halle wird z.Z. vom Regionalen Führungsstab (RFS) genutzt). Wir öffneten das Lager und konnten so die Lieferung unkompliziert platzieren. Unser Weg zurück führte durch die BSA Schwarz; Krauer begleitete mich. Wir stellten fest, dass vor dem Materiallager einige Abfallsäcke von der Küche lagern. Mit einer Schubkarre entsorgten wir die Säcke in den Containern. Ich nutze die Gelegenheit und prüfte kurz unsere Absperrungen (der Gehweg entlang der Schwarz ist nicht mehr intakt und darum gesperrt).

Als die digitale Uhr 0930 zeigte, begaben wir (Bat Kdt Oberstlt Wanner, KP Kdt Hptm Bechtiger, KP Kdt Kp 2 Gege, Fw Cappelletti, Zhfr Betr Lt Bouhouch und ich zur Besprechung der Personalreduktion «Overhead» für den jetzigen Einsatz unserer ZSO. Wir stellten unsere erarbeiteten Varianten vor und besprachen sie. Das schwierige war, das Optimum von so wenig wie möglich, aber so viel wie nötigt zu finden. Auch nicht einfach ist es die Aufträge der Altersheime und Spitex abzuschätzen und vorauszusehen. Da alle Schlüsselpersonen involviert waren, konnten wir all unsere Ideen und Gedanken zusammentragen, diskutieren und uns auf eine Variante einigen. Diese wird noch mit dem Team Wendel diskutiert.

Ich fand diese Diskussion sehr wichtig und hilfreich, die Punkte der anderen Gebiete (FU, Betr, Log und EL) mitzubekommen.

Danach war 1100. Ich nutzte die Zeit zum Rapport, um dieses Tagebuch beginnen und mich auf dem Rapport um 1200 vorzubereiten. Beim Rapport erzählen alle zuständigen AdZS über den aktuellen Stand der Dinge ihrer Bereiche. Es werden Probleme, Personelles usw. besprochen, Anträge gestellt und das weitere Vorgehen festgelegt. Auch dies ist wieder eine Möglichkeit, in die anderen Bereiche unserer ZSO zu hören und mitzubekommen, was wir für Aufträge haben und leisten.

Schön zu hören war auch, dass unsere Helfer-Hotline bis heute total 80 Personen vermittelt hatte!

Nach dem Rapport knurrte mein Magen. Die Uhr zeigt auch 1230 – Zeit, um das Essen zu geniessen. Während dem Essen war es heute ruhig, sehr ruhig. Man merkte gut, dass in diese Woche einige AdZS weniger im Dienst sind.

Anschliessend nutze ich die ruhige Zeit, um am Tagebuch weiter zu schreiben.

In der Mitte des Nachmittags (1430) begab ich mich nochmals nach draussen, um die Arbeit und das Befinden meiner AdZS, welche mit der Eingangskontrolle beschäftigt waren, abzufragen. Natürlich wusste ich das alles in Ordnung war. Ansonsten wäre mein Uof schon lange auf mich zugekommen!

Meine Vermutung wurde bestätigt. Es läuft alles nach Plan. Aufträge für meinen Bereich sind keine dazugekommen. Ich besprach mich anschliessend mit Fw Cappelletti, welcher unter anderem für den Dienstbetrieb verantwortlich ist und fragte ihn, wie es in seinem Bereich aussieht und ob er Unterstützung braucht. Da bei ihm keinen Bedarf bestand, ging ich weiter zu den Betreuern und meinem Kp Kdt. Aber auch sie brauchen meine Unterstützung nicht.

1540: Von Hptm Gege erfuhr ich das es ab Freitag bei mir im Personellen Änderungen gibt. Zwei meiner AdZS stehen ab dann den Betreuer zur Verfügung und unterstützen sie. Nach kurzer Absprache mit Lt Bouhouch konnte auch schnell geklärt werden, wer diese Änderungen der FU und dem Fourier für die «Buchhaltung» bekannt gibt (Abtreten, DB, EO Karte usw.). Da die Büros alle beieinander sind, sind die Wege kurz und einen Austausch ist schnell und einfach möglich. Für mich hiess das, dass ich inkl. Uof noch zwei AdZS zur Verfügung habe. Sollten die Aufträge wieder zunehmen, kann einfach einen Eingang geschlossen werden. Somit entfällt eine Eingangskontrolle.

Nach dem Besprechen passte ich meine personelle Planung für diese Woche an, gab eine Kopie meinem Uof und besprach es mit den Betroffenen AdZS.

Eine erste Fassung meines Tagebuches schickte ich vorab meinem Kp Kdt Gege und bereitete mich auf den nächsten Rapport um 1700 vor. Zuvor entliess ich meine AdZS durch meinen Uof und teilte ihnen mit das sie morgen um 0715 einrücken müssen.

Beim Rapport gab es einige Neuheiten aus den verschiedenen Bereichen. Die Lage ist aber allgemein ruhig. Auch im KP wurde es immer ruhiger – die Mannschaft ist für heute entlassen und einige vom Kader erledigten ein paar Dinge, bevor sie dann auch gingen.

Der Rest, bestehend aus dem Kommando und mir, besprach noch den vergangenen Tag und die morgigen Arbeiten.

Punkt 2000 startete der Entschlussfassungsrapport mit den Gemeindepräsidien unserer Gemeinden im Zusammenhang mit dem Covid-19. Es wurde unter anderem diskutiert, wie lange wir im Einsatz wegen dem Covid-19 stehen und was unsere Planungen für die nächsten Wochen sind. Als die Sitzung um 2100 beendet war, räumten wir den KP, schlossen die Storen, schalteten die BMA auf abwesend und löschten das Licht. Ich ging in die BSA um die Türen zu schliessen und ebenfalls die Lichter zu löschen.

2145 war es, als ich zu Hause angekommen bin. Ich schrieb noch den letzten Teil dieses Tagebuch und ging danach schlafen.

Schlusswort: Wir haben viel Geübt und trainiert – im WK und bei den Einsätzen Zugunsten der Gemeinschaft (EzgG). Ich durfte in den letzten Jahren als Zhfr mangels Kadernachwuchs jeweils zwei Züge leiten, was teilweise sehr stressig und fordernd war. Dadurch konnte ich aber sehr viel profitieren und mitnehmen. Gleichzeitig wurden bei jedem Anlass die Zahnräder geschliffen und die ganze Maschinerie geölt. Vom Soldaten bis zum Kommandanten. Alle lernten sich kennen, alle lernten die Prozesse kennen. Egal ob Pi, Betr, Log, und FU inkl. dem Herzstück – dem KP.

Als ich das Aufgebot für meinen ersten ernst-Einsatz bekam, war ich neugierig. Ich wusste aber auch: Unsere ZSO sowie ich selbst sind bereit. Wir sind bereit – bereit für den grossen «Knall» welcher bis dato zum Glück nicht eingetroffen ist.

Trotzdem ist die ZSO Bachtel durch diesen Einsatz zusammengewachsen. Ich als Zfhr der Kp 2 hatte zuvor nicht so viel mit den Betreuern zu tun. Bis anhin war jeder mehr für sich. Beim Covid-19 Einsatz gibt es diese Grenzen nicht mehr. Die Pi’s wurden auch bei den Betreuern eingesetzt, was einigen (auch mir) den Horizont erweitert. Ich bin überzeugt, dass wir diesen Zusammenhalt behalten können und weiterhin davon profitieren!

Ich möchte allen vielmals danken. Danke für die Unterstützung in schwierigen Situationen und den Platz zum Lernen und Ausprobieren.

Ich bin stolz einen Teil der ZSO Bachtel zu sein!

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